Modisch oder ergonomisch?

 

Cool soll er aussehen, aber auch nicht zur Last fallen. Rund 700.000 Kinder stehen in diesem Jahr wieder vor der Qual der Wahl, wenn sie mit Ranzen bepackt und der Schultüte im Arm ihre Schulkarriere antreten. Soll es der „Star Wars“-, „Cars“- oder „Top Agents“-Ranzen sein? Neben Fantasy-, Fußball- und Actionmotiven bietet der Markt für Schulranzen eine Fülle von Trendmodellen. Ähnlich verwirrend verhält es sich mit dem Sortiment für Mädchen: Klassische Designs mit Pferden, Prinzessinnen oder Feen fehlen ebenso wenig im Angebot wie „Lillifee“, „Diddl“ oder „Disney Princess“. Schulranzen sind heute vor allem eins: Mode, mit der sich Kinder identifizieren.

 

Schulranzenkauf
Schulranzenkauf

 

Auch die immer wieder zu Schulbeginn kursierende Zahl, bepackte Schulranzen dürften nicht mehr als 10 % des Körpergewichts eines Kindes wiegen, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar. Faktoren wie die Länge des Schulweges und das Trageverhalten spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Inzwischen gelten max.
15 % als Faustformel. Beispielsweise raten die Experten von Kid-Check, einem Team unter Leitung von Prof. Dr. med. Eduard Schmitt von der Universität Homburg, sogar zum Tragen von schweren Ranzen, weil sie einen "Trainingseffekt" für Muskulatur und Wirbelsäule haben.

Auch hinsichtlich des Eigengewichtes gibt es unterschiedliche Empfehlungen, die von 1 bis 1,3 kg Leergewicht reichen. Einigkeit herrscht unter den Experten allerdings darüber, dass Schulranzen ergonomisch geformt sein müssen und die Anatomie der kindlichen Wirbelsäule berücksichtigen. Was ist also der beste Kompromiss zwischen den Wünschen des Kindes, den Sorgen der Eltern vor zu schweren Ranzen und den unterschiedlichen Empfehlungen der Experten?

Tipps für den Ranzeneinkauf

  • Der Schulranzen muss dem Kind gefallen, schließlich ist die Einschulung der wichtigste Tag im Leben eines Schulkindes!
  • Ranzen immer ausprobieren! Erst dann zeigt sich, ob der Schulranzen optimal sitzt. Gute Geschäfte bieten heute die Möglichkeit, den Ranzen zu bepacken!
  • Informieren Sie sich am besten in einem Fachgeschäft. Durch kompetente Beratung eines Experten können Kinder durchaus umgestimmt werden, wenn der Wunschranzen ergonomisch nicht passt. Die Erfahrung zeigt, dass sich insbesondere Jungs Argumenten gegenüber offen zeigen!
Schulranzenkauf
  • Ein Schulranzen wird in der Regel die gesamte Grundschulzeit getragen. Achten Sie darauf, dass der Ranzen nicht zu „kitschig“ ausfällt. Was in der 1. Klasse noch angesagt sein mag, verliert in Klasse 3 oder 4 oft seinen Reiz!
  • Gewicht: Das maximale Leergewicht sollte 1,3 kg nicht überschreiten.
  • Ausführung: Der Ranzen muss robust, wasser- und rutschfest sowie stabil sein.
  • Funktion: Der Schulranzen verfügt über mindestens 4 cm breite, gepolsterte und leicht verstellbare Träger. Die Fächereinteilung ist so gestaltet, dass schwere Gegenstände wie Bücher dicht am Rücken platziert werden können. Die Verschlüsse sind leicht zu öffnen.
  • Ergonomie: Das gepolsterte, atmungsaktive Rückenteil liegt eng am Körper des Kindes. Ein Hüftgurt schafft weitere Stabilität.
  • Sicherheit: Der Schulranzen verfügt über ausreichende Reflektorenflächen. Die DIN 58124 fordert 10 % der Vorder- und Seitenflächen.
  • Label: Das GS-Zeichen (Geprüfte Sicherheit) und AGR-Siegel (Aktion Gesunder Rücken) liefern erste Orientierungspunkte beim Kauf.
  • Gebrauch: Kontrollieren Sie regelmäßig das Gewicht des Schulranzens! Achten Sie darauf, dass der Schulranzen „richtig“ getragen wird und die Tragegurte nicht zu lang sind. Der Ranzen sollte nicht über die Schultern herausragen, aber auch nicht hängen. Faustformel: Der Ranzen schließt mit der Schulter ab!

Schulranzen immer anprobieren!

Der Schulranzen ist die erste und wichtigste Anschaffung im Leben eines Schulkindes. Klingt nach einer einfachen Kaufentscheidung, ist sie aber oft nicht: Während die kommenden ABC-Schützen auf Design achten, legen Eltern Wert auf Funktionalität, Tragekomfort und Sicherheit - schließlich müssen Schulranzen einiges wegstecken. Sicher ist: Die Zahl der Kinder, die wegen Rücken- und Bewegungsproblemen einen Physiotherapeuten aufsuchen, steigt dramatisch. Laut DAK weist inzwischen die Hälfte aller Schüler Haltungsschwächen auf. Allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Belege für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Rückenproblemen und zu schweren Schulranzen.